21.09.2009 Stallscheune Haas im Hessenpark
 
181 Jahre stand sie in Asterode, 25 Jahre lagerte sie als vor der Witterung geschützter Stapel aus Sandstein, Balken und Dachziegeln im Hessenpark in Neu-Anspach. Jetzt nach insgesamt 207 Jahren hat sie eine neue Bestimmung im Hessenpark gefunden: Die Stallscheune des Hofes Haas.

Am 21.09.2009 konnte sie im Freilichtmuseum Hessenpark nun als zeitgenössisches Ausstellungshaus der Öffentlichkeit übergeben werden. Staatsminister Karl-Heinz Weimar übergab sie im Beisein der Familie Haas, des Ortsvorstehers Erhard Süsser, der Ortsbeiratsmitglieder von Asterode, Ehrenstadtrat Wilhelm Bätz sowie Bürgermeister Klemens Olbrich im Rahmen der Ausstellungseröffnung „In Bewegung-Wie Alltag sich verändert. Ein ausdrücklicher Dank des Ministers galt der Familie Haas. Heinrich Haas sen. hatte dem Freilichtmuseum Hessenpark die Stallscheune übergeben. Er war dem Museum im Vorfeld behilflich, indem er Archivmaterial (Dokumente, Fotos) zur Verfügung gestellt hatte.
Ihre neue Bestimmung findet die Stallscheune nun als Ausstellungsgebäude, das eine Ausstellungsfläche von ca. 300m² in modernen, mit aktueller technischer Ausstattung versehenen klimatisierten Räumen bietet. Solch ein Gebäude war im Hessenpark bisher nicht vorhanden. Diese Nutzung bedingt aber auch, dass das Gebäude nur noch in seinem äußeren Erscheinungsbild das historische Gebäude zeigt. Im Innern herrschen moderne Baustoffe und Technik vor.

Geschichte des Hofes Nr. 8 in Asterode und seiner Besitzer
Die im Freilichtmuseum Hessenpark wiedererrichtete Stallscheune stammt von einer großen Hofanlage, die aus Wohnhaus, Lagerräumen, Stallungen, Scheunen und zwei Auszugshäusern bestand. Hof und Ort wurden um 1100 gegründet, können also auf eine 900-jährige Geschichte zurückblicken. Die Stallscheune war 1983 an ihrem originalen Standort abgebaut worden und hatte ein Vierteljahrhundert im Freilichtmuseum als Holzstapel gelagert, bevor sie 2008/09 wiedererrichtet wurde.

Familie Haas
Heute gehört der Hof nach elf Generationen Anna Elisabeth Haas. 1769 wurde Johann Da-vid Schreiber, der Erbauer des ersten Bauteiles der Scheune, geboren. Die Inschrift nennt ihn, seine Frau sowie das Jahr 1802. Dieses Datum bezieht sich auf den älteren, linken Teil des Gebäudes. Über dem mittleren Tor steht: „Dieser Bau ist durch den Amts-Zimmermeister Heinrich Koch aufgerichtet worden, 1832“. Diese Inschrift belegt, dass die Scheune zu diesem Zeitpunkt um den mittleren Teil erweitert wurde. Spätestens 1832 gehörte zum Hof eine Brennerei. Das heute noch existierende Wohnhaus wurde in den 1840er-Jahren von Johann Heinrich Schreiber und seiner Ehefrau Anna-Katharina errichtet. Johann Heinrich Schreiber war das bedeutendste Mitglied der Familie, denn er wurde 1862 als Abgeordneter in das kurhessische Ständeparlament in Kassel gewählt.

Die Schnapsbrennerei
Die Brennerei muss recht einträglich gewesen sein, denn Familie Haas hatte 1892 das höchste Einkommen in Asterode und musste auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts die höchsten Steuern im Ort entrichten. Die Kundschaft bestand hauptsächlich aus anderen Gutsbesitzern, denn das Gesinde erhielt häufig nach Beendigung schwerer Arbeiten Schnaps, und manchmal wurde auch ein Teil des Lohnes in dieser Naturalie ausgezahlt. Auch beim Viehkauf und beim Schlachten wurde viel Schnaps getrunken.

Heute noch wissn einige Asteröder davon zu berichten, wie in früherer Zeit zu Beginn der jährlichen Kirmes Freitags der benötigte Schnaps bei Haases geholt wurde. So mancher von der Burschenschaft musste dem reichlichen Probieren in HAases Keller ordentlich Tribut zollen! Auch unser Gastwirt Heinrich Reidt erinnert sich noch an die Zeit zu der der Schnaps für die Gastwirtschaft auf dem Hof Haas geholt wurde. Der Weinbrand oder Schnaps wurde in einem 10-Liter-Gefäß geholt und in der Gastwirtschaft zum Weiterverkaufen in Flaschen umgefüllt.

Der Hof in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Am Ende des 19. oder zu Beginn des 20. Jahrhunderts muss die Stallscheune ein weiteres, letztes Mal erweitert worden sein, denn der rechte Teil der Scheune entspricht mit seinen Materialien und Formen diesem Zeitraum. Die Blütezeit der Brennerei lag vor dem Zweiten Weltkrieg.
Verkaufschlager war der 42%ige Kräuterschnaps „Knüllfeuer“
Haas hatte den Namen „Knüllfeuer“ nicht schützen lassen. Da ein weiterer Hersteller sein Produkt ebenfalls „Knüllfeuer“ nannte, musste Haas seine Verkaufsrenner in „Knülltropfen“ umbenennen. Zunehmende Konkurrenz und steigender Preisdruck führten dazu, dass die Destillation Ende der 1950er Jahre eingestellt wurde.

(Text auszugsweise aus einer Pressemeldung der Stadtverwaltung Neukirchen „Aus dem Magistrat wird berichtet.“)

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Die Scheune am ursprünglichen
Standort in Asterode



Die Stallscheune heute
von der einen...


und der anderen Seite


und während der Ausstellung
von innen


Besuch für die Scheune aus Asterode - "Ehrengäste"